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Interview mit Bio-Landwirt Michael Groß

Landwirtschaften für die Region, trotz Trockenphasen und Discounter.

Michael Groß ist Bio-Landwirt aus Überzeugung. Im Interview haben wir mit Ihm über das Erntejahr und das sich verändernde Wetter gesprochen. Und über die Herausforderung, regionale Produkte in einen auf Menge ausgerichteten Kreislauf zu bringen.

 

Lieber Michael, wie war das Erntejahr für dich?
MG Über die Sommermonate Juni bis August war es recht trocken, da mussten wir zusätzlich bewässern. Ohne zusätzliches Wasser wäre der Gemüsebau nicht möglich. Im Großen und Ganzen war ich zufrieden. 

Gab es Ausfälle, die du auf die Trockenheit zurückführen kannst?
MG Totalausfälle hatten wir nicht. Linsen und Sonnenblumen haben nicht den Ertrag gebracht. Linsen hatten wir mit rund 300 kg auf 2 Hektar recht wenig, trotz der üblichen Schwankungen.

Musstest du im Vgl. zum Vorjahr mehr zugießen?
MG Also im Gemüsebau haben wir rund 30 Prozent mehr Wasser zugegeben, das war notwendig.

Bewässerst du die Ackerflächen mit Frischwasser oder hast du ein Wasserreservoir?
MG Unser Hof hat vier Brunnen. Und wir entnehmen das Wasser aus 25 Metern. Bislang hatten wir noch keine Probleme damit, dass einer der Brunnen trocken gelaufen ist.

Wir hatten in diesem Jahr mehrfach deutlich über 40 Grad – machst du dir Gedanken über alternative Bewässerungssysteme?
MG Mit alternativen Bewässerungssystemen meinst du die Tröpfchenbewässerung. Allerdings wäre die Tröpfchenbewässerung für uns ein zu großer Aufwand. Bei Spezialkulturen könnten wir das vielleicht für ein oder zwei Reihen überlegen. Der Nebeneffekt der Tröpfchenbewässerung sind nämlich die Beikräuter, die wir dann alle acht Tage hacken müssen. Außerdem können beim Hacken die empfindlichen Beregnungsschläuche beschädigt werden, wodurch das Wasser dann unkontrolliert ins Feld spritzen würde.

Änderst du deine Anbaupläne, weil das Wetter so war, wie es war? Ziehst du Konsequenzen daraus und reagierst auf die Wetterlage?
MG Große Änderungen habe ich nicht geplant und reagiere aktuell nicht auf die Wetterlage. Aber Versuche für neue Produkte gibt es immer, denn ich probiere gerne neue Sachen aus. In diesem Jahr haben wir die Kichererbsen auf einem kleinen Acker getestet. Allerdings haben mich die Erträge jetzt nicht vollends überzeugt. Berufskollegen würden mir wahrscheinlich sagen, dass ich da draufgelegt habe. Aber es war eben ein Versuch. Für das nächste Jahr würde mich ein kleiner Acker mit Kidneybohnen interessieren.

Gibt es für die Landwirte bereits einen Handlungsdruck, der sich auf die Wetterlage und Klimaveränderung zurückführen lässt?
MG Das wird man sehen müssen. Es kann sein, dass sich die Anbauzeiten verändern und früher gesät wird, das mag schon sein. Man kann auch nicht sagen, dass es nicht wärmer geworden ist. Aber ich denke nicht, dass es in den nächsten Jahren keinen Regen mehr geben wird und sich alles umkehrt. Die kleinen Landwirte können sich an klimatische Veränderungen besser anpassen. Das Problem ist dann aber, dass sie keine Abnehmer finden, das gilt vor allem für Spezialkulturen. Das Gleiche gilt auch für Roggen oder Weizen, auch hier findet der kleine Landwirt für seine 10 Tonnen Getreide keine Abnehmer, denn die Abnehmer sind global ausgerichtet und daher an dieser Menge gar nicht interessiert. Da werden ganze LKW-Ladungen erwartet.

Das bedeutet also, wenn ein konventioneller Landwirt sich mit dem Gedanken auseinandersetzt, seine Anbauweise auf Bio umzustellen oder, um sich an die klimatischen Bedingungen neu auszurichten, kann er sich nicht sicher sein, seine Produkte verkaufen zu können?
MG Genauso ist es. So wie die Dinge jetzt stehen, sind die Strukturen darauf ausgerichtet, mit wenigen Produkten möglichst viel Ertrag zu erzielen. Mir scheint, dass die Politik noch kein Interesse daran hat, dass die Anzahl der Landwirte wieder zunimmt. Die zunehmende Bürokratie und Kontrollen tun ihr Übriges.

Und eine Kombination aus großer und kleiner Landwirtschaft ist nicht möglich?
MG In globalen Krisen sieht man, dass es zum Ungleichgewicht kommt, weil das Zusammenspiel zwischen dem Großen und Internationalen nicht mit dem kleinen Regionalen zusammenpasst. Das ist das normale Fressverhalten, der Große frisst den Kleinen. Die beiden zu vereinen, das kann ich mir nicht vorstellen.

Das heißt, es braucht neue Strukturen, die nur die Politik schaffen kann?
MG Als die Politik damit begonnen hat, der Biolandwirtschaft mehr Beachtung zu schenken, waren gute Ansätze dabei, die Bio-Landwirtschaft zu fördern.
Allerdings hat man dann auch hier in großen Kreisläufen gedacht und das System global auf Menge ausgerichtet. Die Politik hätte sich auch für die Förderung des Regionalen entscheiden können. Nun haben die Discounter Bioprodukte in den Regalen stehen und die Abnahmen konzentrieren sich wieder auf wenige Produkte in großen Mengen. Für die Region ist das nicht das Gleiche.

Weil den regionalen Landwirten der Zugang zu diesem großen Vertriebsnetzwerk fehlt und selbst die Mengen für Bio-Produkte, an die der konventionellen Produkte heranreichen?
MG Für den kleinen regionalen Landwirt bleibt das Problem weiterhin bestehen, er findet für seine Mengen wieder keine Abnehmer. Und die Abgabe in regionale Strukturen – früher waren das Emma-Läden, Dorf- und Hofläden –, die gibt es nicht mehr. Sie wurden durch die Discounter verdrängt. So haben wir auch beispielsweise keine regionalen Mühlen mehr, die sich auf die Verarbeitung der Bio-Getreide verlagert haben. Sie fahren alle zweispurig, weil die Mengen für Bio zu unsicher sind.

Dann hast du deine Entscheidung, Bio-Produkte anzubauen, aus Überzeugung gefällt?
MG Ja, so war´s. Und ich möchte auch nicht mehr zurück. Ich kritisiere aber auch niemanden für seine Entscheidung konventionell anzubauen.

Vielen Dank für das Gespräch Michael!

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