Mega-Cities für Bienen und Insekten - Blütenpracht der Obstbäume.

Mega-Cities für Bienen und Insekten - Blütenpracht der Obstbäume.

Die Formen- und Farbenvielfalt bei Obst zeigt sich schon im Frühjahr mit Beginn der Blüte. Dabei blühen Apfelbäume nicht nur weiß-rosarot. Sorten wie der „Ulmer Polizeiapfel“, der aus Ulm stammt – einem Ortsteil von Renchen im Ortenaukreis am Fuße des Schwarzwaldes – warten mit reinweißen oder mit knallig karmesinroten Blüten wie der „Heidelberger Blutapfel“ auf. Hinzu kommt, dass sich die Blütenblätter der einzelnen Sorten in Größe und Aussehen voneinander unterscheiden können. Den Bienen dürfte es egal sein – wichtig ist, es blüht reichlich.

Von Rainer Rausch, Obstkenner und Mitglied
im Pomologenverein

Der Apfel ist Bienen-Oase Nummer eins.
Obstbäume leisten einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt, insbesondere bei Insekten. Sind es doch neben der allgegenwärtigen Honigbiene  auch viele Wildbienenarten, die die Blüten von Obstgehölzen erfolgreich bestäuben. Die meisten Arten weist hierbei der Apfel auf. 18 verschiedene Wildbienenarten aus insgesamt sechs verschiedenen Gattungen fliegen Apfelbäume während der Blüte an. Darunter ist neben der Rostroten Mauerbiene die Gehörnten Mauerbiene die wohl bekannteste Wildbienenart. Gerne nimmt die charakteristisch schwarz gefärbte Art mit dem rostroten Hinterteil auch künstliche Nisthilfen aus Holz oder Holzbeton an. Die beiden Arten sind mit die ersten Wildbienen, die im Frühling fliegen. Weitere nachgewiesene Arten an Apfelblüten sind unter anderem Rotfransige Sandbiene, Frühlings-Seidenbiene, Rotbeinige Furchenbiene und Gewöhnliche Schmalbiene.


Element Magazin - Blütenpracht Apfelbaum, Foto von Rainer Rausch

Weitere beliebte Obstbäume.
Mit 15 Arten aus vier Gattungen weisen die Blüten von Süßkirschen einen ebenfalls hohen ökologischen Wert auf. Darunter sind neben der Fuchsroten Sandbiene und der Dickkopf-Furchenbiene auch Wildbienenarten, die zwar einen mit einem wissenschaftlichen, aber keinem deutschen Namen belegt sind. Zwölf Wildbienenarten aus fünf Gattungen finden sich auf Birnenblüten ein. Darunter sind neben der Frühlings-Pelzbiene auch Gehörnte und Rostrote Mauerbiene ein, für die Nisthilfen aus Hartholz- und Holzbetonblöcken wettergeschützt aufgehängt oder in ein Insektenhotel miteingebaut werden können. Gut drei Viertel aller heimischen Wildbienenarten braucht dies jedoch nicht, da diese ihre Nester im Boden anlegen. Mit sechs Wildbienenarten einer einzigen Gattung kommen die Blüten von Pflaumen, Zwetschgen, Mirabellen und Reineclauden eher bescheiden daher. Darunter sind auch Rotfransige und Zweifarbige Sandbienen. Von der Quitte ist bekannt, dass ihre großen weißen Blüten attraktiv für Honig- und einige Wildbienenarten sind. Schlusslicht in der Aufzählung von Kulturobst ist bei Streuobstwiesenbäumen die Sauerkirsche mit einer einzigen Wildbienenart. 

Wildbiene als effektivstes Arbeitstier.
Eine Studie zeigt, dass Wildbienen effektiver sind als die Honigbiene. Erreicht wird mit der gleichen Anzahl von Blütenbesuchen ein doppelt so hoher Fruchtansatz. 50 Wildbienen und 100 Honigbienen bestäuben ein Feld besser, als wenn nur 150 Honigbienen unterwegs wären. Hinzu kommt, dass Wildbienen schon bei niedrigeren Temperaturen als ihre domestizierte Verwandte unterwegs sind. Ein Paar Gehörnter Mauerbienen reicht aus, um bei einem Apfelbaum die höchstmögliche Ernte zu bekommen, wie der aus der Westpfalz stammende Experte Paul Westrich herausgefunden hat. Bei fünf Apfelbäumen kann mit einem Pärchen – wobei es in der Regel nicht bleibt – einen wirtschaftlich guter Ertrag erwartet werden.

Regionale und saisonale Unterschiede.
Zu sehen ist, dass in den unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Wildbienenarten vorkommen. Zwischen den einzelnen Obstarten kann es zudem Unterschiede geben, was die Befruchtung durch einzelne Wildbienenarten betrifft. Die zuerst blühenden Kirschen weisen ein etwas anderes Spektrum an Blütenbesuchern auf als die nach den Birnen blühenden Äpfel. Aber auch innerhalb einer Obstart kann es Unterschiede geben. Die Ende Mai bis Anfang Juni erscheinenden Blüten des „Spätblühenden Taffetapfels“ werden von anderen Wildbienenarten besucht als die vier bis sechs Wochen vorher blühenden Apfelbäume. Die Gehörnte Mauerbiene hat da ihr Brutgeschäft schon lange beendet. Die neue Generation erwachsener Tiere fliegt erst nächstes Frühjahr wieder.

 

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