Ökologische Schäden durch invasive Krebse – Gefährdung für die Biodiversität der Pfalz und ganz Deutschland

Invasive Krebse – was ist das und warum sind sie so gefährlich? In Deutschland gibt es drei Arten von einheimischen Krebsen, am bekanntesten ist sicher der Edelkrebs. Der kam bei uns praktisch flächendeckend vor, sogar im Rhein, wo er vor Jahrhunderten auch eine beliebte Alltagsspeise war.

Von Dr. Jürgen Ott, L.U.P.O. GmbH Trippstadt


Auch heute wird er lokal noch in Teichen gezüchtet und auch gegessen. Gewässerverschmutzung und die vor fast zwei Jahrhunderten eingeschleppte Krebspest haben ihn aber in Deutschland nun fast zum Aussterben gebracht.

In der Pfalz gibt es nur noch ganz wenige natürliche Populationen in abgelegenen Bachtälern. Dafür haben sich in den letzten Jahrzehnten mehrere nicht einheimische Krebse, die der Mensch eingebracht hat, sehr stark verbreitet. Zum einen wurden manche Arten als „Ersatz“ für den Edelkrebs eingesetzt, wie der nordamerikanische Signalkrebs, oder der ebenfalls auch Nordamerika stammende Kalikokrebs, der als Fischköder importiert wurde und eher unbeabsichtigt freikam. Daneben sind noch der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (aus den südlichen USA stammend), der ebenfalls gezüchtet und kulinarisch verwendet wird, zu nennen. Weiterhin der Kamberkrebs, der in vielen Gewässern deutschlandweit vorkommt und der parthenogenetische Marmorkrebs (Parthenogenese = Jungfernzeugung).  Letzterer ist eine biologische Besonderheit, denn es reicht ein Tier, um eine Population zu begründen. Diese nicht einheimischen Krebse nennt man neozoische Krebse (Neozoen sind Tierarten, die nach der Entdeckung Amerikas zu uns kamen), oder auch invasive Krebse, sofern sie ökologische oder ökonomische Schäden anrichten. Und das tun sie und auch immer mehr!

Was macht nun ihren Erfolg aus?
Während der Edelkrebs im ökologischen System seine typische Nische als Allesfresser und Gesundheitspolizei im Gewässer hatte, die auch die neozoischen Krebse prinzipiell ausfüllen können, tun es diese aber viel besser und umfassender. Sie sind robuster – wie der Signalkrebs oder der Rote Amerikanische Sumpfkrebs – oder haben einen viel schnelleren Lebenszyklus (Kalikokrebs), können also schnell große Populationen aufbauen. Kalikokrebse beispielsweise werden zwar nur drei Jahre alt, sind aber im ersten Jahr bereits geschlechtsreif und haben mehrere hundert Nachkommen pro Zyklus.

Damit können sie in den besiedelten Gewässern zu Problemen führen, da sie in kurzer Zeit große Massen an Krebsen entwickeln und dann schlichtweg alles wegfressen, was sie erbeuten können. Dabei haben sie noch weitere Vorteile gegenüber den einheimischen Krebsen: sie können das Austrocknen der Gewässer viel besser überstehen, teilweise können sie sich auch tief im feuchten Gewässerschlamm eingraben und überstehen damit sogar ein vollkommenes Austrocknen der Gewässer. Wenn dann das Wasser zurückkommt, kommen sie wieder hervor und können sofort wieder mit dem Fressen beginnen. Daneben können sie sich auch über Land ausbreiten, also sozusagen von Gewässer zu Gewässer wandern. Als Allesfresser verputzen sie neben Wasserpflanzen auch alles im Gewässer lebende Tierische, wie Würmer, Schnecken, Kaulquappen, alle Arten von Insektenlarven, kleine Fische, Aas – und letztendlich, wenn sie nichts mehr finden, auch sich selbst.

Besonders wenn sich die Krebse häuten, sind sie ohne ihren Panzer gegenüber ihren kannibalischen Artgenossen besonders anfällig und fallen diesen leicht zum Opfer. Bei der Beute machen die Krebse auch keinen Unterschied, ob es sich nun um häufige Beutetiere handelt, oder um seltene und geschützte Arten. So dezimieren im Bienwald beispielsweise die in die Bäche vom Rhein aus eingewanderten Kalikokrebse die landesweit nur dort vorkommende streng geschützte Vogel-Azurjungfer genauso gerne, wie die sonst häufige Hufeisen-Azurjungfer. Auch Kaulquappen des seltenen Laubfrosches oder des Springfrosches werden gerne genommen und ganze Teiche werden von den Krebsen leer gefressen und damit für Auen-Amphibien entwertet.

An der Our, einem deutsch-luxemburgischen Grenzfluss, haben die Signalkrebse die dort vorkommende Gekielte Smaragdlibelle – die einzige rheinland-pfälzische und bundesdeutsche Population – praktisch zum Aussterben gebracht. Aber nicht nur für seltene und geschützte Arten können invasive Krebse ein Problem sein, auch für sogenannte Ökosystemleistungen.

So können sie in Bächen deren Selbstreinigungskraft beeinträchtigen, da sie viele für den Abbau wichtigen Arten eliminieren und sie können in Stillgewässern diese ökologisch so stark beeinträchtigen, da sie kaum noch als Lebensraum für eine intakte Tierwelt fungieren können und die durch sie verursachten Algenblüten die Gewässer dann auch zum „Umkippen“ bringen.

Aus diesem Grunde sind die zwar teils recht hübschen neozoischen Krebse sehr attraktiv, aber eben für den Naturhaushalt sehr negativ und gefährlich, weswegen sie laut Naturschutzgesetz nicht nur beobachtet, sondern nach Möglichkeit auch eliminiert werden müssen.

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